Tagebuch eines Zwei-Katzen-Haushaltes

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1. Tag (31.März)

Um 19.00 Uhr kommen wir nach einer ganz entspannten Zugfahrt mit Ronja in Berlin an.

Zuerst bringen wir Ronja in mein Zimmer, dort haben wir für sie eine Katzentoilette, Futter, Wasser, einen kleinen Kratzbaum und eine Kuschelhöhle vorbereitet.

Ronja frisst erstmal was (Ronja frisst gerne!) und schnuppert sich dann durch das Zimmer.

Gegen 20.00 Uhr kommt es dann in der Küche zur ersten Begegnung zwischen den beiden "Schmusekatzen"

Ronja unter dem Küchenschrank und Dante davor. Er zeigt ALLES, was man von einem "richtigen" Kater erwarten kann: die Haare stehen steil ab, der Schwanz ist superbuschig, Katzenbuckel, knurren... er bewegt sich in Zeitlupe leicht seitwärzt vor dem Schrank und schwenkt dabei sein Köpfchen hin und her.

Ronja unter dem Schrank (ätsch, hier bin ich  sicher!) begnügt sich erstmal mit gelegentlichem Fauchen.

Hach einer Weile tritt Dante den geordneten Rückzug an und setzt sich erstmal in Beobachtungsposition ins Wohnzimmer (von dort kann man durch einen Durchgang in die Küche schauen).

Wir sind sehr erleichtert.... war das jetzt alles? Wird es doch ganz unkompliziert????

Weit gefehlt!!!

Die nächste Begegnung um 21.30 Uhr in meinem Zimmer: Ronja etwas erhöht auf dem Kratzbaum - Dante vor ihr auf dem Boden, wieder das ganze Repertoire: Haare rauf, Schwanz buschig, Kopfschwenken, knurren...und Ronja schaut interessiert auf ihn herunter.
Aber auch hier wird es ihm nach einer gewissen Zeit zu blöd und er beruhigt sich etwas (zumindest nach seiner Körpersprache).

Das wiederholt sich dann noch ein paar Mal.

Gegen 0.30 Uhr wird es dann ernst:

Dante erwischt Ronja im Flur. Kurzer heftiger Schlagabtausch mit wildem Geschrei. Ronja flüchtet unter die Couch im Wohnzimmer. Dante gebärdet sich vor der Couch wie doll und stimmt dazu noch einen furchterregeden "Katzengesang" an. Er bringt sich richtig in Rage und versucht zu ihr unter die Couch zu gelangen. Ronja faucht wie wild.

Das Gehabe findet kein Ende, sondern steigert sich eher!

Die Vorstellung, was unter der Couch noch alles passieren könnte, lässt uns den Atem stocken. Wir verlieren letztendlich die Nerven und bringen die Beiden erstmal auseinander. Ronja hatte vor Schreck unter die Couch gepiselt.

Die Nacht verbringt Ronja in meinem Zimmer (Tür geschlossen) und Dante etwas unruhig (er muss jede Stelle an der Ronja war intensiv abschnüffeln) in unserem Bett.

 

2. Tag (1. April - ha,ha)

Heute Morgen erstmal getrennte Raubtierfütterung (Beide mit gutem Appetit).

Erste morgentliche Begegnung um 11.00 Uhr in meinem Zimmer (leider beide auf dem Boden). Dante mit seinem üblichen Imponiergehabe... aber eigentlcih ist er (glaube ich) einfach nur neugierig auf dieses fremde Wesen. Als er sich immer näher an Ronja ranmacht, wird es ihr zu bunt und sie haut ihm eine Backpfeife. daraufhin geht die Post ab - wildes Geschrei und Gerangel...

Wir trennen die Beiden (ist das nun richtig oder total verkehrt????)

Danach gehen die Beiden ihrer Wege... Dante muss im Wohnzimmer bleiben und Ronja darf den Rest der Wohnung erkunden.

Ronja, in "ihrem" Sessel...

Um 16.00 Uhr hieß es dann "Freies Fluten" bzw. Türen auf!

Erstmal passierte gar nichts: Ronja saß in ihrem Sessel; Dante spazierte in das Zimmer beschnupperte intensiv alle Gegenstände und... ging wieder raus. wir waren sprachlos.

Um 19.30 Uhr nochmal das gleiche Spiel: Ronja in ihrem Sessel und Dante davor. Mal ein bisschen fauchen - das war´s.

Jetzt (19.50 Uhr) hoffen wir auf einen friedlichen Fernsehabend....

3. Tag (2. April)

Heute Morgen das übliche kurze Scharmützel...

Danach war den ganzen Tag die Tür zu Ronjas Zimmer auf und man ging sich geflissentlich aus dem Weg.

Die Beiden haben schon ein recht raffiniertes "timesharing" entwickelt: wenn Dante zu Ronja kommt - schläft sie (oder tut zumindest so?) und wenn Dante im Wohnzimmer ein Nickerchen macht - erkundet Ronja die Wohnung (und frisst ein paar Häppchen aus Dantes Futternapf ;-)

Gegen 19.00 Uhr hat Ronja es sich dann mal auf Ralfs Couch gemütlich gemacht. Dante rannte rum und suchte sie wie verrückt - schnuffel, schnuffel.. jedoch ohne Erfolg.

Zwischenzeitlich hatte sich dann Ralf auch auf die Couch gesetzt... Dante sprang auf Ralfs Schoß und so gab es ein kurzes mehr versehentliches Dreiertreffen...

Gegen 21.00 Uhr kam es dann nochmal zu einem kurzen Schlagabtausch, der damit endete, dass Ronja vor Schreck auf den sessel machte.

Die Kleine bekommt sofort Panik, wenn Dante ihr (egal in welcher Absicht) etwas zu nahe kommt.

B. schrieb mir, dass Ronja wohl erst wieder lernen müsste, dass nicht jede Annäherung von einer Katze  unwillkürlich Angriff bedeutet.

4. Tag (3.April)

Meine Nerven liegen ziemlich blank... Wahrscheinlich bin ICH das PROBLEM.

In jedem Buch kann man nachlesen, bei den üblichen Scharmützeln ... NICHT einmischen ... das ist NORMAL ... die Katzen müssen das unter sich klären ...

Nur, ich kann da NICHT zusehen! Blut ist noch nicht geflossen - wahrscheinlich waren die paar Backpfeifen für gestandene Katzen auch mehr als harmlos ... aber NICHT für mich!

Es ist völlig blödsinnig, beide Katzen stressen sich ohne Ende!

Ronja ist dazu übergegeangen ihren Kot nicht mehr einzubuddeln, ganz nach dem Motto "Hey Alter, hier wohne ich - hau ab!"

Das stört Dante von uns drei übrigen Mitbewohnern allerdings am Wenigsten! Sobald er Gegeghenheit dazu hat, schnüffelt er höchst interessiert daran rum und gibt sein Düftchen noch dazu.

Ich habe gestern eine "Fliegengittertür gekauft. Damit können wir jetzt die Wohnung in verschiedene Hälften aufteilen und die beiden "Kampfkatzen" können sich zwar sehen und riechen, aber nicht aufeinander losgehen. Vielleicht gewöhnen sie sich ja dadurch - nach und nach - an die Anwesenheit des jeweils anderen. Und meine Nerven werden zumindest stundenweise geschont ;-)

Ach ja, draußen ist Frühling...

5. Tag (4.April)

Draußen scheint die Sonne und unsere beiden Süßen gehen sich heute bisher aus dem Weg. Dante schlaft im Wohnzimmer und Ronja hat es sich in Ralfs Zimmer gemütlich gemacht.

Die "Katzen-Fliegen-Tür" verhindert allerdings auch ein zu direktes aufeinander treffen.

Gestern Abend hat Ralf mit Ronja noch ganz ausführllch gespielt und geschmust. Danach haben sie dann gemeinsam ferngesehen - ich hoffe nur, Ronja steht auf Natursendungen und politische Diskussionen...

Also, wenn es hier keinen Dante gäbe, würde sich die Kleine pudelwohl fühlen...

Ich habe derweil mit Dante "In aller Freundschaft" geschaut. Keine Ahnung, ob er die Serie mag - wir machen das aber schon seit wir uns kennen...

Ich denke mal, heute ist RUHETAG - also mal kein direktes Kennenlern-Programm.

@ B. = Vielen, vielen Dank für deine tröstenden Mails. Übrigens hat Ronja heute morgen ihren Kot eingebuddelt... Ist das jetzt ein gutes Zeichen????

@Tommi = Wirklich ein sehr hübscher Bursche euer DIABO und verwandschaftlich sozusagen der Cousin von Dante und Ronja

6. Tag (5.April)

Dank der KKVT (Katzen-Kampf-Vermeidungs-Tür) ist heute nichts zu berichten....außer vieleicht, dass ich Dante unter lautem Protest seine Krallen geschnitten habe (Ging ganz gut - fand ICH).

Gestern gegen 17.00 Uhr kam Ralf nach Hause.
Ronja und Dante rannten beide gleichzeitig auf den Flur (ansonsten versuchen sie das zu vermeiden)...
Dante erblickte Ronja, stellte alle Haare auf und raste mit einer Affengeschwindigkeit auf Ronja los - wurde dann jedoch sehr unsanft durch die KKVT gebremst... Ronja - obwohl kein Feindkontakt zustande kam - rannte laut schreiend los und versteckte sich auf ihrem Lieblingsplatz: dem Fensterbrett.
Die Tür hat eine ganz schöne Beule...

Dante vor der KKVT nach Ronja Ausschau haltend...

Ronjas Lieblingsversteck - gut gewählt - mit Aussicht!

Kommentare einzelner Zeitzeugen:

Fabian: "Das wird schon..."

Ralf: "Man muss Beide nur lieb haben - der Rest kommt von alleine..."

Anna: (Tierpflegerin): "Das dauert mindestens noch zwei Wochen..."

Der Hausmeister meiner Schwester: "Beide in ein Zimmer sperren und einkaufen (shoppen? Schuhe???) gehen..."

Die Besitzerin der "Schnabelbar" (Tierfutterladen): "Nehmen Sie Rescue-Tropfen und Bananen!" "Für die Tiere?" "Nein SIE, sie sind ja völlig fertig....!"

Meine Mutter: "Wie konnte dir sowas auch nur wieder einfallen..."

Romy: "Aber in den Büchern steht..."

ALLE: "Aufgegeben wird NICHT!"

Mein Vorschlag, dass Ralf und Ronja sich ja eine kuschlige Zweitwohnung suchen und wir (Menschen) uns dann gegenseitig besuchen könnten, wurde erstmal zurückgestellt...

@ Undine: Na Bingo, und ICH bin wieder mal Schuld...

7. Tag (6.April - Karfreitag)

Wir sind bei Mel im schöne Tempelfelde zum Grillen und Osterfeuer eingeladen. Das heißt das unsere beiden Kampfkatzen den Tag alleine und nur getrennt durch die KKVT verbringen müssen.

Um 1.00 Uhr sind wir wieder zu Hause und beginnen eine lange Grundsatzdiskussion: "Wie weiter mit der Katzenfamilie?"

Ergebnis: Wir versuchen es erstmal noch bis Dienstag. Romy hält sich zurück und Ralf macht auf "Katzenflüsterer"...

Wenn sich bis dahin die Lage nicht entspannt hat werden wir versuchen gemeinsam mit B. ein neues Zuhause für Ronja - auf alle Fälle als Einzelkatze - zu suchen.

Na dann - Glück auf!

Danach - also mitten in der Nacht - haben sich beide Katzen mit Ralf in meinem Zimmer getroffen... und welch ein Wunder (als wenn sie unser Gespräch heimlich belauscht hätten) ging es das erste Mal ohne Fauchen, Plüschschwanz und Gejaule ab.

Beide saßen eine ganze Weile recht friedlich nebeneinander... bis es Dante zu langweilg wurde und er wieder ins Wohnzimmer ging. 


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